|
Die Verbreitung der Gemse erstreckt sich auf Hoch-
und einige Mittelgebirge Europas und Vorderasiens. Auch in Neuseeland
wurden Gemsen erfolgreich eingeführt. Es werden zwei Arten
(Alpengemse, Rupicapra rupicapra und Pyrenäengemse, Rupicapra
pyrenaica) sowie zehn Unter-arten unterschieden, die durch die Isolation
der einzelnen Gebirgsstöcke entstanden sind.
In Deutschland sind insgesamt 9 (davon 7 nicht-alpine)
Vorkommen der Gemse bekannt. Es handelt sich in allen Fällen
um die Alpengemse. Der Lebensraum der Gemsen reicht von den Felsregionen
über alpine Matten, Krumm-holzzonen und lichte Bergwälder
bis zu unterwuchs-reichen Wäldern der tieferen Lagen.
|

Natürliche
Verbreitung der Gemse
(aus SCHNIDRIG-PETRIG
& SALM 1998)
|
|

Geiß
(Foto: Dr. C. Walzer)
|

Kitz
(Foto: Dr. C. Walzer)
|

Bock
(Foto: Dr. C. Walzer)
|
Die Anpassungen der Alpengemse an die Lebensbedingungen
des Hochgebirges sind sowohl morphologischer als auch physiologischer
Natur. Morphologisch sind insbesondere die weit spreizbaren Klauen ("Schalen")
zu erwähnen, die in steilen Felswänden festen Halt bieten und
auf Schnee das Einsinken vermindern. Außerdem bietet das extrem
dichte und langhaarige Winterfell mit seiner stark verfilzten Unterwolle
einen guten Schutz vor Kälte und ist auf Grund seiner schwarz-braunen
Farbe gleichzeitig geeignet, durch Strahlungsabsorption Wärme aufzunehmen.
Zu den physiologische Anpassungen zählen morphologische Veränderung
der Pansenzysten als Anpassung an die saisonale Schwankungen des Nahrungsangebots
sowie ausgeprägte Fettdepots und verschiedene Verhaltensanpassungen
zur Energieeinsparung in Mangelzeiten. Deshalb werden die Bewegungsaktivitäten
im Winter eingeschränkt und es finden im Jahresverlauf und in Abhängigkeit
vom Wettergeschehen Verschiebungen in der Wahl des Einstandes statt. Trotzdem
verlieren Gemsen über den Winter ca. 30% ihres Körpergewichts
und die Winterhärte ist ein wichtiger Faktor bei der natürlichen
Bestandsregulierung.
Die Geschlechter lassen sich am besten durch die Formgebung
der Krucken ("Hakelung") unterscheiden. Geißen, Kitze,
Jahrlinge und junge Böcke (bis ca. 3 Jahre) sind sozial organisiert
und schließen sich zu grösseren Rudelverbänden zusammen.
Während Geiß-Kitzrudel mehrere Dutzend Individuen umfassen,
bilden immature Böcke kleinere Junggesellenverbände. Ältere
Böcke leben dagegen solitär und besetzen ein festes Sommerterritorium,
das bevorzugt unterhalb der Waldgrenze oder aber in Felsbereichen oberhalb
der Äsungsflächen der Rudel liegt.
|

Territoriale Auseinandersetzung
zweier Böcke
(Foto: Dr. C. Walzer)
|

Vorspiel zum Paarungsakt
(Foto: Dr. C. Walzer)
|
Zur Setzzeit (Mai-Juni) isolieren sich die trächtigen
Geißen vom Rudel und ziehen sich an windgeschützte Stellen
in Latschenfeldern oder Felswänden zurück. Nach der Geburt ihrer
Kitze schließen sie sich schnell wieder dem Rudelverband an. Während
der Brunftzeit (November-Dezember) suchen die Böcke gezielt die Geiß-Kitzrudel
auf und etablieren Paarungsterritorien. Territoriale Auseinandersetzungen
mit anderen Böcken lassen sich dann häufig beobachten.
|